Die Grausamkeiten der NS-Zeit und des Holocausts liegen nun fast 80 Jahre in der Vergangenheit. Erst ca. in den 1980er-Jahren wurde den Taten der NS-Zeit die verdiente Aufmerksamkeit geschenkt. Immer mehr Jugendliche kennen den Holocaust heute kaum noch oder weisen deutliche Wissenslücken über die historischen Fakten auf. Gleichzeitig sterben die Zeitzeugen, die in den vergangenen 40 Jahren entscheidend dazu beigetragen haben, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten, zunehmend aus. Das Durchschnittsalter der Überlebenden liegt mittlerweile bei etwa 86 Jahren…
Wie können wir die Erinnerungskultur bewahren, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt? Wie lässt sich die Zukunft der Erinnerung so gestalten, dass Jugendliche sich der damaligen Ereignisse und Grausamkeiten weiterhin bewusst bleiben? Und welche Rolle könnten neue Technologien, insbesondere Künstliche Intelligenz und soziale Medien, dabei spielen?

Unterrichtsbesprechung – Die Erinnerung unter den Jugendlichen
Im Deutschunterricht haben wir uns in den letzten Wochen intensiv mit der Zeit des Holocausts und der NS-Zeit auseinandergesetzt. Dabei haben wir in der Klasse Erinnerungstexte von Holocaust-Überlebenden gelesen, darunter Die Nacht von Elie Wiesel. Außerdem haben wir uns mit der Erinnerungskultur an sich beschäftigt. Im Unterricht haben wir einen Artikel des Deutschlandfunks gelesen, der sich mit dem Wissen jüngerer Generationen über den Holocaust und die NS-Zeit befasst. Der Artikel zeigt auf, wie viel die Jüngeren über den Holocaust wissen und auf welche Weise ihnen dieses Wissen vermittelt wird. Studien zeigen erschreckende Ergebnisse: Unter den jüngeren Generationen bestehen große Wissenslücken – von fehlendem Wissen bis hin zu Desinformation und Holocaustleugnung. Ganze 12 Prozent der Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren kennen den Begriff Holocaust in Deutschland nicht. Auch Desinformation ist weit verbreitet, etwa die Behauptung, die Zahl der sechs Millionen Opfer sei deutlich geringer gewesen – so glauben dies in Polen rund 25 Prozent der Befragten. In den Niederlanden hält sogar ein Viertel der Befragten den Holocaust für einen Mythos. Wie werden diese Zahlen in der Zukunft aussehen, nachdem alle Zeitzeuginnen verstorben sind? Werden die Zahlen steigen? Hoffnung gibt es noch, da der Artikel auch berichtet, dass die Generation Z ein hohes Interesse an die Geschichte der NS-Zeit hat, höher als die Generation ihrer Eltern. Das Desinteresse scheint nicht das Problem zu sein. Was auffallend in den Antworten der Befragten ist, dass ihre Informationsquelle meistens aus sozialen Medien.
Die Zukunft der Erinnerungskultur mit innovativen Ansätzen
Die Erinnerungskultur an den Holocaust steht vor großen Herausforderungen durch Desinformation und Leugnung. Gleichzeitig bieten innovative Technologien wie Künstliche Intelligenz und soziale Medien neue Möglichkeiten, die Geschichte lebendig zu halten. Vorausgesetzt, wir gehen verantwortungsvoll mit ihnen um.
Künstliche Intelligenz wird auch in Zukunft eine große Rolle spielen – unter anderem in der Erinnerungskultur. Daher lässt sich vermuten, dass die Erinnerungskultur an die Zukunft und die digitale Welt der Jugend auf innovative Weise angepasst werden muss.
Eine gute Erinnerungskultur hilft nicht nur dabei, den Geschehnissen der Vergangenheit und den Opfern die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken, sondern auch dabei, die Zukunft auf der Grundlage dieser Erinnerungen gerecht zu gestalten.
Ein Problem, das eine gute Erinnerungskultur behindern kann, ist laut Sylvia Löhrmann, der ehemaligen Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, dass Jugendliche oft keinen emotionalen Zugang zur Thematik haben. Deshalb ist es umso wichtiger, einen emotionalen Zugang für Jugendliche zu den Geschehnissen der Vergangenheit zu eröffnen. Auch wenn direkte Gespräche mit Zeitzeugen zunehmend wegfallen, lässt sich durch die Möglichkeiten der digitalen Welt viel erreichen.
Einerseits ermöglichen neue Technologien innovative Ansätze, um den Geschehnissen der Vergangenheit auf einer emotionaleren Ebene näherzukommen. So bietet die Deutsche Nationalbibliothek dank einer KI-basierten Anwendung die Möglichkeit, interaktive Gespräche mit Holocaust-Zeitzeugen zu führen. Die Besucher des Museums können ihre individuellen Fragen stellen und erhalten durch das Filtern der vorab aufgenommenen Antworten der Zeitzeugen eine Reaktion. Dies stellt eine Ergänzung zu den Texten und der Literatur dar, die man in der Schule generell liest. Durch solche innovativen Ansätze ist es möglich, auf emotionaler Ebene eine tiefere Verbindung zu den Ereignissen herzustellen.
Andererseits spielt auch Social Media eine immer größere Rolle in der Erinnerungskultur des Holocausts. Der steigende Antisemitismus hat auch in den sozialen Medien seinen Platz gefunden. Da soziale Medien eine der größten Informationsquellen für Jugendliche darstellen, ist es wichtig, Fehlinformationen zu entkräften, indem man zuverlässige Informationen auf der am meisten genutzten Informationsquelle der Jugendlichen anbietet. Es gibt viele Influencer, die junge Menschen über die NS-Zeit aufklären. Einer davon ist Gidon Lev, ein Holocaust-Überlebender, der einen eigenen TikTok-Account erstellt hat, um über seine persönlichen Erfahrungen im Holocaust zu berichten. Auch KI-generierte Videos über den Holocaust sind auf TikTok zunehmend zu finden, wie zum Beispiel ein Anne-Frank-KI-Video, in dem sie über ihr Leben erzählt. Mit der Möglichkeit, auf TikTok eine Erinnerungskultur für junge Menschen zu schaffen, geht jedoch auch die Verantwortung der Creator einher, korrekte Informationen zu verbreiten.
Herausforderungen
Mit diesen digitalen Ansätzen kommen auch Herausforderungen. Einerseits ist es wichtig, dass Creator korrekte Informationen verbreiten. Lösungsansätze für diese Herausforderungen gibt es bereits. So bietet das Unternehmen TikTok beispielsweise Schulungen für Creator an, in denen sie lernen, wie sie Themen verantwortungsvoll vermitteln können. Außerdem werden viele TikTok-Videos, die sich mit dem Holocaust befassen, mit geprüften Fakten verlinkt. Dennoch reicht das bei weitem nicht aus, um die Verbreitung falscher Informationen sowie Hass und Hetze im Zusammenhang mit Antisemitismus zu stoppen. Ein weiteres Risiko ist die Verbreitung falscher Informationen durch KI-generierte Inhalte. Nur KI-Systeme mit sicheren Schutzmaßnahmen können zusammen mit besserer digitaler Bildung dazu beitragen, die historische Wahrheit zu bewahren und einen verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz sicherzustellen. Solche Sicherheitsmaßnahmen müssten auf Plattformen wie TikTok in großem Umfang vorhanden sein. Wie genau das umgesetzt werden könnte, ist jedoch eine andere Frage.
Mein Ansatz, dem Einfluss falscher Informationen im Internet und durch KI entgegenzuwirken, ist die Förderung kritischen Denkens im Umgang mit Informationen in den Sozialen Medien – bei der die Schule ein sehr gutes Medium anbieten könnte.
Fazit
Die Erinnerung an den Holocaust aktiv zu bewahren, insbesondere in Zeiten, in denen viel Desinformation verbreitet wird, ist von größter Bedeutung. Neue Technologien bieten sowohl Chancen als auch Risiken für die Erinnerungskultur und es liegt in der Verantwortung der Gesellschaft, diese Werkzeuge so zu nutzen, dass eine korrekte und respektvolle Erinnerungskultur gefördert wird.
Mach auch du mit und setze dich für eine respektvolle und korrekte Erinnerungskultur ein!
Auf die Idee, über die Zukunft der Erinnerungskultur des Holocausts mit Bezug auf neuen Technologien zu schreiben, kam ich sehr schnell. Als ich den Artikel aus der Unterrichtsbesprechung gelesen habe, war ich schockiert über die grosse Wissenslücke der Jugendlichen über den Holocaust und wollte sofort Lösungen zur Verbesserung der Erinnerungskultur vorschlagen. Deshalb fiel es mir nicht schwer, den Blog zu schreiben.
In diesem Schreibprozess lernte ich neue, innovative Ansätze kennen, wie etwa den Virtual Room mit Zeitzeuginnen, von dem ich zuvor noch nie gehört hatte. Den Text habe ich eigenständig verfasst. Ich habe die KI genutzt, um meinen Text grammatikalisch zu verbessern und «flüssiger» zu gestalten und ihn anschließend entsprechend angepasst.
Insgesamt bin ich stolz auf meinen Blog, da ich wirklich die Motivation hatte, ihn zu schreiben.
Quellen
https://www.deutschlandfunk.de/die-zukunft-des-holocaust-gedenkens-100.html
https://www.arte.tv/de/videos/121400-001-A/twist/
https://www.deutschlandfunkkultur.de/holocaust-shoa-gedenken-erinnerungskultur-100.html
Selen Kaya